Früher dachte ich, mein Leben sei voll. Job, Nebenjob, Termine, Treffen hier und dort, stundenlange Arbeitswege, Sozialleben – alles dabei.
Und wenn ich mich dann abends müde ins Bett fallen ließ und die Sprachnachricht meiner Schwester abhörte, wie fertig und müde sie mit ihren zwei Kindern war, ertappte ich mich manchmal bei dem Gedanken: „Naja, aber sie ist doch eh den ganzen Tag daheim …“
Dann legte ich das Handy zur Seite, machte mir noch eine Serie an und schlief irgendwann ein.
Oh Gott, welche Naivität ich hatte. Ich dachte wirklich, die meisten Eltern übertreiben einfach!
Klar, Job und Co. können anstrengend sein. Aber irgendwann kommt der freie Tag. Und abends im Bett hast du keine Verantwortung mehr.
Als Mama endet die nie. Wie wenig ich damals verstanden habe! (Und sorry nochmal an meine Schwester)
Zeit ist relativ geworden
Seit ich Mama bin, ist Zeit ein Phänomen für sich:
- Gefühlt habe ich mehr und weniger zugleich.
- Die Tage sind länger und kürzer in einem.
- Mal will ich die Zeit anhalten und den Moment einfrieren.
- Mal vergeht sie quälend langsam, wenn die Nacht endlos scheint.
- 17 Uhr nachmittags fühlt sich an wie später Abend.
- Um 10 Uhr vormittags habe ich manchmal das Gefühl, schon zehn Leben gelebt zu haben.
An manchen Tagen wünsche ich mir, die Zeit würde schneller vergehen und an anderen Tagen will ich sie am liebsten stoppen, um mein Kind in Ruhe genießen zu können.
Manchmal sehne ich den Abend herbei, manchmal will ich, dass der Tag nochmal von vorne beginnt.(okay, eher selten aber lass es mal vorkommen haha)
Mein größtes Learning
Früher habe ich Zeit oft einfach vertrödelt – Serien geschaut, gescrollt, Dinge aufgeschoben. Ich dachte, sie sei unendlich.
Heute, wenn ich mein Kind ansehe, ist mir bewusst, Zeit kommt nie zurück und das macht sie so unfassbar wertvoll!
Und nein – ich wünsche mir nicht mehr Zeit fürs nichts tun. Und auch nicht weniger Zeit mit meinem Kind.
Ich wünsche mir Momente, in denen ich mich nur auf eine Sache konzentrieren kann. Ohne Ablenkungen. Ohne Unterbrechungen. Ohne dass der Mental Load reinknallt.
Anpassung
Statt einer Stunde Yoga mache ich jetzt ein schnelles Stretching zwischen Duplosteinen und Matchboxautos.
Statt langer Telefonate gibt es kurze Sprachnachrichten.
Statt 10 Minuten Dusche gönne ich mir eine Minute – und die fühlt sich an wie Wellness.
Und statt meine Ziele irgendwann mal „konkret anzugehen“, verfolge ich sie heute jeden Tag, auch wenn es nur 1 % ist.
Eine Seite im Buch gelesen.
Eine Recherche mehr gemacht.
Einen Beitrag vorbereitet.
Ein Foto mehr in das Album eingeklebt.
Einen Euro in die Reisekasse gesteckt.
Eine Liegestütze geschafft.
Eine Stunde am Abend ins Business investiert.
Egal was es ist + 1 % ist immer mehr, als nichts zu tun und alles auf „irgendwann, wenn ich mal Zeit habe“ zu verschieben.
Und mein wichtigstes Take-away?
No time for bullshit.
Dafür braucht es eigentlich keine Erklärung oder?… und doch musste ich erst Mama werden, um das wirklich zu verstehen und zu leben.
- Keine Zeit für Energieräuber.
- Keine Zeit für halbherzige „Ja, vielleicht, mal schauen“-Antworten.
- Keine Zeit für Dinge, die mehr Kraft kosten, als sie geben.
Als alleinerziehende Mama hab ich nicht nur null Toleranz, wenn es um Zeit geht, auch meine Energie ist mir heilig.
Das bedeutet aber auch: Wenn ich mir Zeit für etwas nehme, dann, weil ich dafür Platz gemacht habe. Weil ich es wirklich will.
Mein kleines Notfall-Mantra
Wenn der Stress kommt und die To-do-Liste in meinem Kopf gleichzeitig losschreit, sage ich mir: „Ich habe Zeit.“
Mehrmals. So lange, bis das Gedankenkarussell langsamer wird, und kurz stehen bleibt.
Funktioniert vielleicht nicht immer, aber mit etwas Übung immer öfter. Du wirst sehen!
✨ Frage an dich: Wie hat sich dein Zeitgefühl mit Kind verändert?
Fühlt es sich für dich auch so widersprüchlich an – gleichzeitig knapp und doch so intensiv?



Kommentar verfassen