Das Schöne so nah – und trotzdem zieht es mich in die Ferne

Manchmal frage ich mich, warum ich mich trotz wunderschöner Heimat nicht so richtig „verwurzelt“ fühle. Österreich hat so viel zu bieten – Berge, Seen, Natur satt. Und doch spüre ich seit meiner Kindheit dieses Ziehen, diesen inneren Ruf: Da draußen gibt es noch mehr.

– do is schee

Meine ersten Träume vom Reisen

Ich erinnere mich, wie ich mit 12 oder 13 Jahren in der Schule saß. Während andere Matheaufgaben lösten, blätterte ich heimlich in einem Workaway-Heft, träumte von Abenteuern und kritzelte Listen. Zu Hause schnitt ich Bilder aus, bastelte Collagen und hing sie an die Wand.

Doch sobald ich auf die Preise schaute, fühlte es sich an, als wäre diese Welt unerreichbar. Für „andere Menschen“ vielleicht, aber nicht für mich.

Mein Berufswunsch damals? Entwicklungshelferin. (Und zwischendurch auch Visagistin – frag mich nicht, meine Make-up-Skills waren damals wie heute unterirdisch 😂). Entwicklungshelferin klang nach Sinn: helfen, Länder sehen, Kulturen kennenlernen.

Es kam anders. Aber die Faszination für Menschen, Kulturen und Sprachen hat mich nie losgelassen.


Mein erster großer Sprung: Bali

Anfang 20 jobbte ich nebenbei als Promoterin für einen Spirituosenhersteller. Ich tingelte durch ganz Österreich – und liebte es, unterwegs zu sein. In dieser Zeit lernte ich eine Kollegin kennen, nur ein paar Jahre älter als ich, aber schon mit einem Rucksack voller Geschichten: Schaffarm in Australien, als Nanny in Italien, Hosteljob auf Bali, usw. und unzählige Reisen.

Ich war fasziniert – und gleichzeitig überzeugt: Das können andere, aber nicht ich.

Doch ihre Lockerheit steckte an. Wir wurden Freundinnen, und sie motivierte mich so sehr, dass ich mit 23 das erste Mal allein nach Bali flog. Für einen Monat. Und es war so viel mehr als nur eine Reise.

Es war ein Shift in meinem Denken: Wow. Ich kann das. Es geht. Es ist möglich – auch für mich. Und da gibt es noch so viel MEHR!

Ein Jahr später flog ich wieder, diesmal mit meinem damaligen Freund. Von da an machte ich immer wieder längere Reisen. Jeder Job, den ich annahm, war irgendwie mit dem Gedanken verbunden: Wie kann ich mir damit ein Leben aufbauen, das dauerhaft Reisen möglich macht?


Licht und Schatten

2018 kam ich gerade von einem Monat Thailand zurück – voller Energie und wild entschlossen, mit meinem damaligen Freund endlich dieses „andere Leben“ zu wagen. Doch dann passierte etwas, das alles veränderte: ein schwerer Schicksalsschlag. Von einem Tag auf den anderen waren Pläne egal. Statt Abenteuer bestimmten Trauer, Schmerz und Krankheit die nächste Zeit.

Langsam, ganz langsam, kamen die ersten Lichtblicke zurück. Eine Yogaausbildung in Spanien schenkte mir neuen Mut und Kraft. Und dann = Cor*na. Grenzen dicht. Trennung. Umzug. Abwarten. Alles wieder auf Pause.

Trotzdem hielt ich an meinem Versprechen fest: Mit 30 löse ich alles auf und gehe. Zwei Wochen nach meinem 30. Geburtstag saß ich tatsächlich im Flieger nach Mexiko. Nur um kurz darauf wieder schwanger nach Österreich zurückzukehren.

Und weißt du was? Es war genau richtig so. In den letzten Jahren hätte ich mir keinen besseren Ort vorstellen können. Österreich war für mich und mein Kind das, was wir brauchten: Ruhe, Sicherheit, Stabilität.

Eine geplante Reise zurück nach Mexiko habe ich schließlich bewusst abgesagt – zu viele Unruhen in der Gegend, in der sein Vater lebt. Schweren Herzens, aber mit einem klaren Gefühl: Manche Wege sind im Moment einfach nicht die richtigen.


Heimatgefühle und das Gefühl von Fremdsein

Obwohl ich in Österreich geboren bin, fühlte ich mich hier nie so richtig heimisch. Schon als Kind wurde ich ständig gefragt: „Woher kommst du eigentlich? Nein, woher wirklich? Und deine Eltern? Großeltern?“ – als wäre Österreich nie eine ausreichende Antwort. Wahrscheinlich auch, weil ich äußerlich nicht so aussah, als wäre ich „von hier“. Dieses Gefühl von Fremdsein hat mich lange begleitet.

Früher dachte ich, ich müsste meine Heimat schlechtreden, um losziehen zu dürfen. Heute weiß ich: Das ist nicht nötig. Österreich ist wunderschön, voller guter Dinge.

Es ist einfach dieses Gefühl in mir, dass ich nicht für ein Leben an einem Ort gemacht bin.


Ordnung vs. Chaos: Was ich wirklich suche

Was mich manchmal stört, ist die Enge der Strukturen hier. Vieles ist sehr korrekt, geregelt, ordentlich. Und damit meine ich nicht Behörden… Für viele genau richtig. Für mich fühlt es sich oft zu starr an.

Ich sehne mich nach dem „geordneten Chaos“ – Länder, in denen alles etwas drunter und drüber geht, und trotzdem irgendwie im Flow ist. Schwer zu beschreiben … nennen wir es einfach mal „Asienstyle of life“.


Warum mich trotz schöner Heimat die Ferne ruft

Das Schöne ist also wirklich ganz nah, aber mein Herz zieht es in die Ferne. Nicht aus Undankbarkeit.

Zuhause ist für mich kein fester Ort, sondern ein Gefühl. Meistens sind es die Menschen, die einem wichtig sind und die kann man immer wieder besuchen. Aber wer weiß schon, wo noch überall ein Zuhause auf uns wartet, wenn wir nicht losgehen? Ich träume schon so lange davon…

🌴🥥Das Meer ruft und wir gehen los.

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3 responses to “Das Schöne so nah – und trotzdem zieht es mich in die Ferne”

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